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Der Zweifel nagt - und ist ein Lichtschein am Theaterhimmel, von Susanne Yvette Walter

Das Winterstück „Zweifel“ der Studiobühne unter der Regie von Achim Enchelmaier hatte am Wochenende Premiere. An den beiden kommenden Wochenenden ist es noch sechs Mal zu sehen.

Jetzt im März ist es tatsächlich so weit, dass die Besigheimer Studiobühne mit ihrem Winterstück „Zweifel“ von John Patrick Shanley auf die Bühne im Steinhauskeller treten kann. Noch im Programmheft ist zaghaft vom „Lichtschein am Theaterhimmel“ die Rede – ein Wink auf die Hoffnung, bald wieder vor reichlich Publikum auftreten zu können. Aus dem vorsichtig formulierten „Lichtschein am Theaterhimmel“ wurde ein Kometenschweif direkt über dem Steinhaus von Besigheim bei der Premiere am Freitagabend.

Regisseur Achim Enchelmaier, der viele Stücke der Besigheimer Studiobühne mit einem Schatz an Erfahrung inszeniert, erzählt, warum er „Zweifel“ zum Winterstück 2022 der Besigheimer Studiobühne ausgewählt hat: „Zweifeln kann man an allem, und das ist auch präsent im Stück. Schön ist, dass es ein Kammerstück ist für vier Personen. Es ist gemacht für enge Räume und ein Minimum an Requisiten, Das Augenmerk liegt auf den Dialogen, was natürlich eine sehr große Herausforderung für die Schauspieler ist. Ich verlange ihnen da deutlich etwas ab, gerade, weil ich den Text genauso so wie er ist, beibehalten habe.“

Perfekte Besetzung

Mehr noch hat Enchelmaier in seinem Ensemble genau die Schauspieler am Start, die von ihrem Wesen und ihrer Erscheinung her, perfekt in die Rollen passen. Claudia Scheday mimt die gestrenge und moralinsaure Schwester Aloysius, die im Kloster, wo das Stück spielt, einer Oberin gleichkommt. Sie und Emily Zundel in der Rolle der Schwester James bilden die perfekte Achse zwischen der Oberin, die alles besser weiß und der kleinen Nonne mit dem großen Herzen und einem reinen schwärmerischen Wesen.

Zwischen beiden steht Vater Flynn (Damian Bielat), der im Kloster beliebt ist für seine unkonventionelle Art und sich zugleich verdächtig macht, weil er den einzigen farbigen Jungen im Kloster zu sich ins Pfarrhaus gebeten hat. Schwester James (Emily Zundel) schöpft Verdacht auf Missbrauch. Sie spricht mit dem Jungen, als er aus dem Pfarrhaus kommt und er eine Alkoholfahne hat. Dass die eine andere Ursache haben könnte, hofft Schwester James inständig und dennoch nagt der Zweifel an ihr. Es knistert im Gewölbekeller des Steinhauses. Die Dialoge fesseln. Man kann die berühmte Stecknadel fallen hören.

Schwester Aloysius wird zur Schlüsselfigur im Stück mit ihrer gestrengen Rolle als Hüterin von Anstand und Moral. Das Programmheft spricht sogar von ihrer „geradezu inquisitorischen Art.“ Damit macht sie sich tatsächlich zwanghaft zur Kämpferin gegen den Verlust bürgerlicher und rechtsstaatlicher Garantien. Es bröckelt. Im Kloster und draußen in der Welt. Werte werden wertlos mit Blick auf Krieg und Seuchen und Unvorstellbares wird mit einem Lidschlag Realität. Und dennoch ist es ein vorgegebener Kampf, den sie führt, ein Kampf gegen Sitten- und Werteverlust, ein Kampf, der dem gegen Windmühlen gleicht und ihrem Narzissmus dient.

Stück lag zwei Jahre im Schrank

Das Stück „Zweifel“ hat tatsächlich den Pulitzer Preis bekommen. Zwei Jahre lang lag es bei Regisseur Enchelmaier jetzt im Schrank wegen der Coronalage. Um einfach wieder einen Akzent zu setzen, begann das Ensemble mit den Proben, obwohl die Weiterentwicklung in der Pandemie noch nicht absehbar war. Dennoch gingen Regisseur und Schauspieler davon aus, dass sich die Lage längerfristig so verbessert, dass „Zweifel“ aufgeführt werden kann. Tatsächlich gibt ihm die aktuelle Corona-Entwicklung recht. Neunmal will die Besigheimer Studiobühne das Stück „Zweifel“ ins Steinhaus bringen, nach diesem noch an den folgenden zwei Wochenenden, jeweils mit Freitagabend im Steinhausgewölbekeller in Besigheim.

Auf den Fleiß seiner Schauspieler, was das Lernen und Interpretieren von Texten angeht, kann sich Enchelmaier verlassen. „Ich habe es so inszeniert, dass die Neugierde auf das Stück ,Zweifel‘ aus der Feder von John Patrick Shanley groß ist.“

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Facetten der Flucht und ihre Folgen

Im Winter widmet sich die Besigheimer Studiobühne manchmal gern einem sozialkritischen Stoff, noch dazu, wenn er ein politisch aktuelles brisantes Thema berührt. In der jüngsten Produktion „Phantom“ geht es um eine Frau mit Flüchtlingshintergrund und ihren persönlichen Kampf im Dschungel der Vorurteile in der neuen Heimat.. Am Freitag, 17. Februar um 20 Uhr ist Premiere.

 Als das Asylthema in Deutschland begann hochzukochen, stieß Claudia Hermann von der Besigheimer Studiobühne zufällig auf ein Stück von Lutz Hübner, den viele als Autor von „Frau Müller muss weg“ kennen. Die berühmte Vorlage auch für einen Film, machte Claudia Hermann aufmerksam auf ein zweites Stück desselben Autors, das sich in eine geflüchtete Frau und ihre vielschichtige Problematik in ihrer neuen Heimat hineinversetzt.

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