2016

NEB - 26.11.2016 - Luitgard Schaber

Bietigheimer Zeitung, 17.11.2016, Heike Vogelhuber

Benutzt die Fernbedienung für Freeze-Szenen oder Vergangenheitssprünge“, leitet Ramona Karst, die mit Anna Seil für die Regie verantwortlich ist, die Kindergruppe der Besigheimer Studio-Bühne an. Moment: Fernbedienung? „Freeze“? Ja. Doch das sind nicht die einzigen Modernisierungsmaßnahmen der „Weihnachtsgeschichte“ von Dickens.

„Alles begann damit, dass wir gemeinsam mit den Kindern überlegten, was wir überhaupt für Weihnachtsgeschichten kennen“, erklärt Heike Fetzer, die hauptsächlich für das Skript verantwortlich war. „Einem der Kinder fiel eine Geschichte ein, die es einmal im Fernsehen gesehen hatte; es ging um drei Geister und die Verwandlung eines Mannes von böse zu gut. Das war unser Ansatzpunkt.“ Laut Fetzer habe sich die Gruppe für die Aufarbeitung der Weihnachtserzählung von Charles Dickens entschieden, weil sich alle einig waren, dass gerade Weihnachten, als Fest der Liebe, die Zeit der Veränderung und der Umkehr von Fehlverhalten sein sollte.

Wie auch in der Vorlage, geht es im Theaterstück der Besigheimer um einen griesgrämigen Mann, der seinem Umfeld gegenüber mit großer Strenge und Verbissenheit auftritt. In der modernen Version ist der Chorleiter Ignatz Blasius der Hauptakteur. Er wird vom einzigen erwachsenen Schauspieler, Armin Gosch, dargestellt. Blasius wird von drei Geistern, jenem der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft, aufgesucht und über seine Fehlungen belehrt. Ein schlichtes Bühnenbild wird mit einer aufwändigen Licht- und Tonebene unterstützt. Der „Chor“ reißt während des Stücks immer wieder klassische Weihnachtslieder an. Dadurch wird der modernen optischen Interpretation eine klassische Hörebene zur Seite gestellt. Die Sprache wirkt natürlich und modern.

Vor knapp fünf Monaten haben die Arbeiten am Stück begonnen. Die elf Kinder, zehn Mädchen und ein Junge, seien bereits bei der Konzeptentwicklung dabei gewesen, sodass sie an den Charakterisierungen der einzelnen Figuren mitarbeiten konnten. „Es ist schnell klar gewesen, wer welche Figur spielen möchte“, erklärt Ramona Karst. „Die Kinder konnten sich so ideal in ihre Rolle hineinfühlen.“ Nachdem das Konzept stand, probten die zwischen neun und 14 Jahre alten Kinder einmal pro Woche. „In der Endphase sind es manchmal auch mehr Proben. Zum Teil auch gesonderte Musikproben, in welchen nur an den Gesangseinlagen gefeilt wird“, so Karst.

Die Technik wird ebenfalls von zwei Jugendlichen, Max Baltus und Denis Domscheit, übernommen. Eltern seien „nur“ im Hintergrund tätig, beispielsweise um Events zu organisieren, aber auch dies sei ein Teil vom Erfolg und sei gerne gesehen, sind sich die Organisatorinnen einig.

„Es ist ein Stück für die ganze Familie, da das Thema zwar modernisiert, aber trotzdem bekannt ist“, resümiert Karst das Stück.

SUSANNE YVETTE ...| 27.01.2016, Bietigheimer Zeitung

Foto: Martin Kalb

Claudia Hermann und Michael Rahms spielen im neuen Stück der Studiobühne das Ehepaar Sonja und Henri.In Beziehungen spielt sich der ganze normale Wahnsinn ab, der sich in Nuancen verändert und damit Lawinen ins Rollen bringt. Das zeigt das neue Stück der Studiobühne: "Drei Mal leben" von Yasmina Reza.

Vier Klischee-Charaktere bestimmen die Tragikomödie "Drei Mal Leben" von Yasmina Reza. Sie reiben und sie maßregeln sich, wollen sich gegenseitig erziehen, scheitern, streiten, stolpern beim Versuch, ihre Fahnen verzweifelt hoch zu halten über die eigene Peinlichkeit und treiben sich gegenseitig fast in den Wahnsinn - ein idealer Stoff für eine Winterinszenierung der Besigheimer Studiobühne, die in ihrer Kammerspielzeit gern in die menschlichen Tiefen vordringt. Am Samstag, 30. Januar, ist Premiere.

Michael Rahms, Claudia Hermann, Armin Gosch und Miriam Staudacher von der Besigheimer Studiobühne spielen diese beiden ungleichen Paare. Die einen verlieren sich im Spagat zwischen Karrierehunger und Erziehungspflichten, die anderen repräsentieren die unternehmerische Oberschicht und freuen sich sadistisch darüber, andere über die Klinge springen zu lassen.

Die Tragikomödie hält, was das Genre verspricht. Michael Rahms als Astrophysiker Henry erlebt mit seiner Frau Sonja einen ganz normalen Abend, wo darum gestritten wird, ob der sechsjährige Sohn noch einen Apfel ans Bett gebracht bekommt oder nicht - Dialoge junger Eltern, die erzieherisch verschiedener Meinung sind. An der Tür klingelt einen Abend früher als ausgemacht ein potentieller Karrieregönner Henrys mit Gattin. Der Kühlschrank ist leer, die Peinlichkeit steigt, im Laufe des Abends platzen die Charaktere mit immer mehr Wahrheiten raus, die sich hinter der gespielten Höflichkeit verbergen.

Dreimal ereignet sich unter anderen Vorzeichen annähernd die gleiche Szenerie. Das schwarz-weiß modern anmutende Bühnenbild verstärkt die Konturen noch. Schiffbruch hat viele Gesichter, und durch die Nähe der Schauspieler zum Publikum brennt die Peinlichkeit so mancher Szene dem Zuschauer direkt auf den Pelz. Im Steinhauskeller finden rund 100 Zuschauer Platz,

"Das ist ein Kontrast zum großen bunten Sommertheater draußen. Diese nahe Atmosphäre eignet sich gut für tiefe und sensible Stoffe", sagt Regisseur Achim Enchelmaier. Er wählte diesen Stoff aus der Faszination heraus: "Man verändert nur wenige Details in einer Handlung, sorgt für ein minimales Verschieben und schon verändern sich ganze Abläufe. Das ist beobachtendes Theater, das durch die Akzentverschiebung lebt", begründet Enchelmaier seine Wahl. Das Publikum darf gespannt sein.

Info
Die Vorstellungen finden am 30. und am 31. Januar statt und am 5., 6., 7., 12., 13. und 14. Februar. Fällt die Aufführung auf einen Sonntag, beginnt sie statt um 20 Uhr wie samstags und freitags schon um 19 Uhr.

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Bietigheimer Zeitung, SUSANNE YVETTE ... | 19.07.2016

Die Studiobühne Besigheim verwickelt ihr Publikum in eine Shakespeare-Begegnung der dritten Art. Premiere war am Samstag auf der Freilichtbühne.

Bild: Martin Kolb

Drei Helden der Besigheimer Studiobühne wagen das Unmögliche: Sie machen sich zu Shakespeares Anwalt in der heutigen Zeit und servieren im Freilicht-Theater neben dem Steinhaus in Besigheim „Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt“, dafür aber angereichert mit einem Shakespeare-Rap, einem Fußballmatch der Blaublüter und vielen irrwitzigen Comedy-Einlagen. Shakespeare als leichte Sommerkost? Ja, bis auf die Sprache des Dichters und Poeten: Die bleibt und ist heute nicht immer leicht zu verstehen.

Mit 66 Kostümwechseln und 50 Requisiten haben Christoph Konkol, Armin und Felix Gosch sicher kein leichtes Spiel, und dennoch gelingt ihnen auf der Besigheimer Studiobühne in diesem Sommer ein Geniestreich. Statt William Shakespeare wie einst Marcel Reich-Ranicki tot zu diskutieren, leben sie lieber seine Raffinessen aus, die auch 450 Jahre später noch Kultstatus genießen.

„Dieses Buch sollte in jeder Nachtischschublade liegen“, sind sie sich zu Shakespeares gesammelten Werken einig und selektieren. Die Komödien werden als Einheitsbrei entlarvt. „Es sind immer dieselben Gags, die Shakespeare nur umbaut“, ist das Fazit. Dafür gibt es herrlich moderne Resümees zu „Romeo und Julia“, „Othello – der Mohr von Venedig“ und vielen Klassikern mehr. Da wird gerappt, da wird Fußball gespielt. Da hält der Irrwitz Einzug und das Publikum ist nicht nur dabei, sondern mittendrin im Geschehen.

Immer wieder gehen die Schauspieler auf O-Ton-Jagd ganz nah an die Sitzreihen heran, verteilen „abgeschnittene Damenfinger mit blauen Nägeln“ und laden bei Hamlet sogar zu einer Tombola ein. Der Sieger wird ausgelost. Die Balkonszene verwandelt sich in eine frivole Geländer-Szene, in der „Julia“ auf der Stange reitet und sich fragt, wofür sie eigentlich einen Romeo braucht. Auch sonst ist die Komödie von Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield hervorragend dafür geeignet, aufzuräumen mit Mythen rund um William Shakespeare und seiner vermeintlich verklärten Sicht auf die Welt.

Armin Gosch als erfahrener Studiobühnen-Darsteller ist die Rollenvielfalt auf den Leib geschrieben, ebenso Sohn Felix Gosch, der strahlend auch die weiblichen Rollen übernimmt und so manches Mal die Perücke der Julia verliert. Als „Gummimensch“ ist Christoph Konkol der bewegende Star des Abends, der einer Achterbahn gleicht, einer Achterbahn durch die literarische Welt Shakespeares.

Dafür, dass den Zuschauern dabei nicht schwindelig wird, sorgt das Dreigestirn, indem es pointiert die Komik auf die Spitze treibt. Da bleibt kein Auge trocken, und dafür kämpft man sich doch gern mal wieder durch Shakespeares verklausulierte Sprachwelt. Allein schon das alles auswendig zu lernen, gleicht einem Marathon und bringt den Studiobühnen-Machern einen besonderen Kitzel, denn ihr Schauspielgenius läuft dafür sicher zur Höchstform auf. Bei der Premiere am Samstag gab es immer wieder Szenenapplaus. Der komische Shakespeare kommt an und lüftet für einige laue Abendstunden im Sommer seine verstaubte Perücke – erlebenswert.

 

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