2015

Miriam Staudacher

Alice im Wunderland: Die Kostüme sind ein HingusckerVor 150 Jahren erschien in England ein Buch, das bis heute nichts an Popularität verloren hat: "Alice im Wunderland" feierte am Wochenende in der Inszenierung der Besigheimer Studiobühne im Steinhauskeller Premiere

Wer kennt sie nicht, den verrückten Hutmacher, die Grinsekatze und natürlich Alice, das Mädchen, das auf den Schwingen des Schlafes in ein Wunderland hinübergleitet, wo sie vielen wundersamen und verrückten Wesen begegnet. Mit "Alice im Wunderland" haben sich die Leiterinnen der Kindergruppe der Besigheimer Studiobühne an einen Klassiker der Kinderliteratur herangewagt, der ernste Themen wie Verstöße gegen Denkgewohnheiten, aus dem Gefüge geratene Ordnungskategorien wie Raum, Zeit und Moral und eine Verrätselung der Sprache zum Inhalt hat.

Dank der vielen wunderbaren Regieeinfälle von Anna Seil und Ramona Karst ist daraus ein Stück geworden, das für Kinder ab etwa acht bis neun Jahren sehr sehenswert ist, zumal allein schon das von Eberhard Krieg geschaffene phantastische Bühnenbild und die von Marion Pfahler und Anna Seil genähten Kostüme tolle Hingucker sind. Dazu gesellt sich eine ausgesprochen reife Leistung der jungen Darsteller zwischen zehn und dreizehn Jahren, die zum Teil seit mehreren Jahren Mitglieder der Kindergruppe der Studiobühne sind, wie Hannah Neuner, die die anspruchsvolle Rolle der Protagonistin Alice hervorragend meistert.

Auch Lucy Gründling spielte schon bei mehreren Kinderstücken mit. In "Alice im Wunderland" verkörpert sie das sprechende weiße Kaninchen, das Alice durch seinen Bau in das Wunderland führt. Tom Riedinger ist ebenfalls kein Neuling und gefällt gleich in zwei Rollen. Als Raupe trohnt er auf einem Fliegenpilz und gibt in Zen-Manier Ratschläge. Und er ist der unentwegt seinen Zauberwürfel drehende, sanftmütige Ehemann der machtbesessenen Herzkönigin, die am liebsten alle widersprechenden Untertanen exekutieren lassen würde.

Selbige wird von Helen-Sanem Atak, einem neuen Gesicht in der Kindergruppe, glaubwürdig verkörpert. Eine beachtenswerte schauspielerische Leistung zeigen auch Sarah Casabona (Herzogin), Pauline Peckhart (Grinsekatze), die Spielkartenleute (Mia Geber und Khira Pfahler) sowie die Teilnehmer der berühmten Teegesellschaft, der verrückte Hutmacher (Julian Brügger), der Märzhase (Sascha Fetzer) und der Siebenschläfer (Tina Pfitzenmaier).

NEB, von Luitgard Schaber {flike}

Der geniale Geist einer Shakespeare-Komödie liegt im Grotesken. Das zeigt die Inszenierung von "Viel Lärm um nichts" der Besigheimer Studiobühne. Premiere ist am Samstag, 18. Juli, im Steinhaus-Garten.

Für die Freilichtsaison hat sich die Studiobühne Besigheim in diesem Jahr für eines der bekanntesten Shakespeare-Stücke entschieden: "Viel Lärm um nichts." Es wird in einer neuen Fassung des Dramaturgen Brandon Larch auf die Bühne gebracht. "Die Komödie wird sicher häufig gespielt. Die witzigen Dialoge jedoch, die sie enthält, haben uns gereizt. Der Wortwitz spricht einfach für sich", begründet Regisseurin Claudia Enchelmaier die Wahl.

"Viel Lärm um nichts" lässt tief in die widersprüchlichen Seelen der ungleichen Liebenden blicken. Abgründe tun sich auf, die zeitlos fesseln, Abgründe, die heute noch so präsent sind wie in der Shakespeare-Zeit. Gesellschaftliche Zwänge sind das zentrale Thema: Benedikt und Beatrice sollen gegen ihren Willen vermählt werden. Die Charaktere verkörpern, und das verrät ein Blick in die Probearbeiten, markant die gesellschaftlichen Vertreter. Claudia Enchelmaier hat ihre Hauptrollen stark besetzt mit Claudia Karger und Armin Gosch, beides erfahrene Studiobühnen-Spieler.

Auch das Jugendtheater ist mit von der Partie. Die Nachwuchsspieler der Besigheimer Bühne eröffnen den Intrigen-Reigen mit einem kurzen Abriss von Shakespeares Lebensdaten und seinen großen Werken. Neu in die Stammtruppe kam Stanislaw Klein als Boraccio. Aus dem Jugendtheater sind Emily Zundel und Felix Gosch nachgerückt.

Bei der schlanke Brandon-Fassung stehen nur zwölf statt der sonst üblichen 19 Schauspieler auf der Bühne. Das kam Enchelmaier und ihrer Truppe entgegen. Beim Bühnenbau hat Eberhard Krieg wieder einmal ganze Arbeit geleistet und einen schlichten klassischen Rahmen geschaffen. Die Frauen erscheinen in Cremeweiß auf der Sommerbühne: Es entsteht der Eindruck eines Klassikers in elegantem und zeitlosem Gewand. "Es geht um das Phänomen, nicht selbstbestimmt zu sein und nicht selbstbestimmt leben zu können. E ein Recht, um das auch wir heute noch kämpfen", erläutert Enchelmaier die Intention.

Was die Zuschauer bei der Premiere am Samstag, 18.Juli, erwartet, soll also beidem gerecht werden, dem Wunsch nach amüsanter Abendunterhaltung, gewürzt mit Denkanstößen. Wer mag, könne sich sogar einen Spiegel vors Gesicht halten. In der Fassung von Larch sprudelt Shakespeares Komödie nur so von Ironie und Spott. Klischees wie falsch verstandener Stolz und Ehrenkodexe kommen gnadenlos an den Pranger. Die drei Frauen und neun Männer auf der Bühne tragen ihr Bestes dazu bei.

Info Das Stück "Viel Lärm um nichts" wird an elf Tagen während der Freilichtsaison von Samstag, 18. Juli, bis Sonntag, 9. August, jeweils 20 Uhr, auf der Freilichtbühne am Steinhaus aufgeführt.

Bietigheimer Zeitung, MIRIAM STAUDACHER | 07.02.2015  {flike}

An diesem Samstag feiert die Besigheimer Studiobühne mit dem Stück "hautnah" von Patrick Marber Premiere. Es geht um Sex, Gier, Verzweiflung und Lügen im zwischenmenschlichen Miteinander. Ein Bericht von der Generalprobe.

Wenn sich an diesem Samstagabend der Premierenvorhang im Theaterkeller des Steinhauses in Besigheim öffnet, bekommen die Zuschauer mit Patrick Marbers Werk "hautnah" ein Stück zu sehen, das sich als unmittelbar leicht präsentieren will und in dem schlaglichtmäßig dem Betrachter Situationen vor Augen geführt werden, die teils wortwörtlich "hautnah" sind.

In kurzen Szenen erzählt das Theaterstück von den miteinander verknüpften Beziehungen und Schicksalen der Hauptprotagonisten, des Schriftstellers Dan, der Stripperin Alice, der Fotografin Anna und des Arztes Larry, die im Verlauf der Geschichte immer tiefer in einem Strudel aus Sex, Gier, Verzweiflung und Lügen versinken.

"In diesem Stück wird der Zuschauer gezwungen, sein eigenes Verhältnis zu Treue, heimlichen Sehnsüchten und sexuellen Begierden zu bewerten und sich der Frage nach der eigenen Angst vor Einsamkeit zu stellen", erläutern die beiden Regisseure der Produktion, Achim Enchelmaier und Daniel Neumann, in einem Gespräch mit der BZ nach der letzten Probe.

"Die Sprache in ,hautnah' ist eine sehr deutliche", machen sie klar und ergänzen: "Aber das ist die Realität. Und die kann manchmal eben schmerzhaft sein." Zusätzliche Intensität erhält das Spielgeschehen durch das gewollt schlicht gehaltene Bühnenbild: "Nichts lenkt ab vom Gesagten - den Leidenschaften, Verletzungen und sexuellen Deutlichkeiten, die sich die Personen entgegenschleudern", so Achim Enchelmaier und Daniel Neumann und nehmen ihre Besucher quasi mit in die Verantwortung: "Wie sehr die Geschichte den Zuschauer berührt und welche Gedanken ihn am Ende des Stückes mit nach Hause begleiten, wird dieser selbst mit sich ausmachen müssen."

Info "Hautnah" von Patrick Marber wird von diesem Samstag an achtmal im Steinhaus aufgeführt. Informationen zum Kartenvorverkauf und zur Kartenreservierung auf

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Die Besigheimer Studiobühne e.V. wird gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst über den Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg e.V.

Copyright © by Michael Rahms, Januar 2017

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